Apple eats Apple

Apple-Kritisches Grafitti mit dem iPhone fotografieren… die Meta-Meta-Meta-Kritik??

Gesehen: In Friedrichshain an der wilden Renate

Heineken – The Candidate – Content aus Vortellungsgesprächen


Hier mal ein wirklich schönes Beispiel dafür, dass man aus allen Aktivitäten eines Unternehmens Inhalte für Social Media machen kann. Viele Firmen zerbrechen sich den Kopf darüber, wie man wirksame Inhalte herstellen kann. Dabei muss man einfach nur jemanden einstellen… und das entsprechend dokumentieren. Das gibt – mit ein bisschen Nachdenken und Planen im Vorfeld – nicht nur guten Content, sondern macht vor allem auch noch Spaß!

Malte Welding über Telekommunikation ind Deutschland

Wer Sprache gekonnt verwenden kann, erfreut andere.

 

Freude an der Sprache

Ich bin Malte Welding dankbar! Dieser Artikel über die Telekommunikation in Deutschland spricht mir aus dem Herzen, besonders zwei sprachliche Formulierungen erfreuen mich:

Die Menschen in früheren Zeiten haben eine Menge Fehler gemacht. Doch einer sticht besonders hervor. Sie bauten, um sich zu schützen, dicke Mauern. Obwohl es doch eine wesentlich effektivere Methode gegeben hätte: Sie hätten ihre Narren im Umland verteilen können, so dass vagabundierende Feinde unweigerlich genau diese Narren hätten nach dem Weg fragen müssen. Überall wären diese Feinde gelandet, aber nicht an ihrem Ziel. Die menschliche kulturelle Entwicklung hat von den Mauern von Ur bis heute sechstausend Jahre benötigt, bis sich endlich eine neue Methode etabliert hat.

Diesen Narrenverteidigungswall nennt man eben Callcenter.

Kafka und die Narren

Ein Narrenverteidigungswall – wie großartig ist das denn bitte?! Und es ist eben nicht nur eine tolle Wortschöpfung, sondern vor allem eine sehr gute Beschreibung der Tatsachen. Callcenter dienen nicht dazu, Kunden zu helfen, sondern sie zu verwirren. Und diese Verwirrung wird dann einige Absätze weiter unten hervorragend illustriert:

Ich versuchte, herauszufinden, warum die Dinge sind wie sie sind. Warum niemand einem helfen, niemand Entscheidungen treffen kann. Warum man sich als Kunde vorkommt, als sei man in ein Live-Rollenspiel geraten, das von Kafka konzipiert wurde.

Störfaktor Kunde

Ich weiß nicht, ob ich jemals eine treffendere Beschreibung für die Kommunikation mit Telcos gelesen habe. Gefühlt habe ich mich oft genau so. Ich hätte viele Beispiele aus eigener, leidvoller Erfahrung zu berichten, die auch nicht gewisser Komik entbehren. Aber viel mehr bewegt mich die tiefe Wahrheit, die in dem Artikel von Malte Welding steckt: Wie kann es sein, dass wir Kunden gegenüber großen Unternehmen so vollkommen machtlos sind? Wie kann es sein, dass all diese beschriebenen Vorgänge ungestraft bleiben – vor allem, dass die Unternehmen trotzdem noch Kunden haben? In welcher Sucht sind wir gefangen, dass wir uns nicht aus der Abhängigkeit dieser Unternehmen befreien können?

Ehre deinen Provider

Das Internet verschafft uns vielleicht Freiheit, ja, aber nur wenn man einen Internetanschluss hat! Wehe dem, der es wagt umzuziehen, seinem bisherigen Provider zu kündigen oder sonst irgendwelche Veränderungen vorzunehmen, die in den Ablaufdiagrammen der Unternehmen nicht vorgesehen sind. Schlimmer: Selbst Handlungen, die in den Ablaufdiagrammen der Unternehmen vorgesehen sind, führen zu unabsehbaren Konsequenzen.

Wer dient hier wem

Im Grunde genommen sollte man ja froh sein, dass überhaupt etwas funktioniert, dankbar sein, dass diese Unternehmen jeden Tag aufopferungsvoll unter größten Anstrengungen unsere Infrastruktur am Leben erhalten. Und doch stellt sich die Frage, wieso wir als Kunden in den Gleichungen der Unternehmen nur noch als störender, weil unberechenbarer Faktor angesehen werden. Ist es nicht so, dass die Wirtschaft den Menschen dienen soll und nicht umgekehrt?

Das Gute Güte Siegel

Gestern noch hatte ich die Idee, die fairen Arbeitsbedingungen in einem Unternehmen mit einer Art Gütesiegel für die faire Behandlung der Angestellten auszuzeichnen. Nach der Lektüre des Artikels von Malte Welding fühle ich mich in Bezug auf diese Idee dann doch wieder, als wäre ich in ein “Live-Rollenspiel geraten, das von Kafka konzipiert wurde.“  Was haben wir also für Möglichkeiten? Was läuft schief? Das Fazit von Malte Welding am Ende ist düster und lässt nicht viel Raum für Hoffnungen:

(…) Mensch und Produkt finden nicht mehr zusammen. Der Kunde ist zuletzt eine verzichtbare Variable, seine Unterschrift wird noch benötigt, nicht aber seine Zufriedenheit. Darauf zu hoffen, dass der Markt diese Probleme reguliert, hieße darauf zu hoffen, dass die großen Tabakfirmen eine Zigarette erfinden, die Krebs heilt.

Chaosfaktor Großunternehmen

Auch wenn es aussichtslos erscheint – wir sind ja alle im Internetz unterwegs. Irgendwie scheint es ja doch zu klappen. Und irgendwann werden sich auch diese Unternehmen ändern müssen, genau so, wie sich das Urheberrecht ändern muss. Es kann langfristig nicht funktionieren, dass Kunden als Bezahlvieh angesehen werden. Und ein Problem wird wahrscheinlich auch immer wieder unterschätzt: Man kann viel weniger kontrollieren, als man gerne glaubt. Wären wir Menschen Ameisen und keine Menschen, dann wären wir als einfache Arbeiter, die stupide ihrer Aufgabe nachgehen, zufrieden. Aber da wir Menschen sind und uns nicht endlos optimieren lassen, werden ab einer bestimmten Größenordnung alle unsere Systeme unbeherrschbar. Wir sollten lieber wieder kleine, gallische Dörfer bilden. Dann bräuchten wir auch keine Telcos, sondern nur Sicheln für unsere Druiden und ein kleines bisschen Zaubertrank ab und an wenn uns jemand blöd kommt…