Interview mit Ronny Kraak vom Kraftfuttermischwerk

Am 2. März 2013 hat mich Ronny besucht, um mit mir über Musik, Bloggen, das Kraftfuttermischwerk und überhaupt alles Mögliche zu sprechen. Jetzt endlich ist es so weit – das Interview mit Ronny geht online. Dabei habe ich gleich ein neues Genre erfunden: Der Rot-Cast! Obwohl digitales ja nicht verrottet, aber nach einem Jahr Verspätung passt das einfach. Denn das Interview ist genau 1 Jahr her und liegt seit dem auch auf meiner Festplatte rum. Das ganze Gespräch hat ca. 4 Stunden gedauert, aber ich habe es dann doch auf 1 hörbare Stunde zusammengeschnitten. Wieso es so lange gedauert bis es online gehen konnte und was sonst noch so erwähnenswert ist lässt weiter unten nachlesen, hier erstmal das Interview:

Das Gespräch mit Ronny

An dieser Stelle möchte ich Ronny noch mal ausführlich danken. Die Terminvereinbarung, das Treffen und das Gespräch waren so unkompliziert und angenehm, dass ich das gleich noch mal machen würde. Ohne Aufnahmegerät und nur mit Rotwein. Wahrscheinlich würde ich noch was kochen. Das sagt viel über Ronny als Mensch. Unkompliziert, offen, humorvoll, tolerant aber dabei ganz und gar nicht oberflächlich. Auch wenn das Blog vielleicht vermuten lassen könnte, das sich der Mann dahinter nur über Internetunsinn und Technomusik definiert. In vielen Momenten unseres Gesprächs konnte ich eine Ernsthaftigkeit und Tiefe erkennen, die mich beeindruckt hat. Denn neben seiner humorvollen, entspannten und einfühlsamen Art, gibt es auch eine harte und kompromisslose Seite, vor allem wenn es um rechtes Gedankengut und entsprechende Kommentare auf Kraftfuttermischwerk geht. Das ist eine spannende Charaktereigenschaft, denn dadurch gibt es Ecken und Kanten, an denen man sich reiben kann. Diese Reibung erzeugt Wärme, die wiederum ein Gefühl der Geborgenheit erzeugt. So gesehen ist Ronny also ein durchaus streitbarer Mensch, mit dem man sich aber beim Streiten wohl fühlen kann. Allerdings möchte ich ihm als Nazi weder körperlich noch verbal gegenüberstehen – da hat man sicher nichts zu lachen. Und das ist auch gut so.

Ronny ist Musiker und DJ, ist als Blogger im Netz zu Hause, aber kommt durch seine Arbeit als Sozialpädagoge auch mit vielen anderen Lebensbereichen in Kontakt. Außerdem ist er als Vater zweier Töchter den Wirrungen und Irrungen des Elterndaseins mit heranwachsenden und pubertierenden Menschen ausgesetzt. Diese Dichte an Lebenserfahrung und Leidenschaft spürt man im Gespräch. Die Vielfalt der Themen, der Interessen und der Sichtweisen machen Ronny wahrscheinlich auch zu einem interessanten Blogger. Denn beim Kraftfuttermischwerk werden nicht nur Faultiergifs gepostet, es gibt durchaus kontroverse Postings  und klare Stellungnahmen – ohne das dafür viel Text notwendig ist. Das gefällt nicht jedem, aber um Gefallen geht es eben auch nicht. Das Karftfuttermischwerk ist Ronnys Wohnzimmer und wir dürfen ihn alle besuchen. Da findet dann eine ziemlich unterhaltsame Party statt, manchmal besinnlich, manchmal ein bisschen melancholisch – aber auf jeden Fall ist immer gute Musik dabei! Wer einen schlechten Tag hat, bekommt ein Faultiergif mit Glitzer, wer dummdreist rumpöbelt, muss eben damit rechnen rauszufliegen. Das Kraftfuttermischwerk ist wie Ronny – ein echt guter, ehrlicher Kumpel, den man immer weder gerne besucht.

Danke Ronny, ist ne tolle Party!

Die Idee

Ende 2012 wollte ich mich beruflich verändern, hatte aber noch keine Ahnung wie und wohin. Was ich wusste: Ich bin sehr viel im Netz unterwegs, lese viele Blogs und interessiere mich für die Menschen dahinter. Dabei fiel mir auf, dass ich zwar die Blogs lese, aber keine Ahnung habe, wie die Blogger dahin gekommen sind, wo sie jetzt sind.

So war die Idee einer Interviewreihe geboren. Einmal für mich, weil ich einfach neugierig bin, aber dann auch für alle anderen, die sich für die Menschen hinter den Blogs interessieren. Ich habe dann mehrere Anfragen rausgeschickt, aber keiner wollte den Anfang machen – außer Ronny. Und nachdem ich dann auch noch mit 2 Flaschen gutem Rotwein gelockt habe, war die Sache klar.

Wie es geworden ist

Ursprünglich wollte ich ein offenes Gespräch ohne Zeitlimit. Meine Idee war, den Interviewpartner ins Erzählen kommen zu lassen, ohne ständig auf die Uhr schauen zu müssen oder dem Gespräch durch Fragen eine Richtung zu geben. Doch ich bin kein Hörfunkjournalist und habe nur in einem kleinen Rahmen vorher mal Interviews gemacht.

Meine „tollen“ Ideen – Schweigeminute im Podcast, einen Calvin & Hobbes Comic aussuchen als Motto usw. – waren gar nicht so toll und haben nicht wirklich funktioniert. Das war letztendlich auch nicht schlimm, hat mir aber doch gezeigt, dass es für mich noch viel zu lernen gibt. Außerdem war der  Rotweinkonsum irgendwann tendenziell hinderlich. Ich trinke selten Alkohol und hatte daher zunehmend Probleme die Technik zu bedienen und mich zu konzentrieren. Einerseits war das so gewollt und hat stellenweise für Heiterkeit gesorgt, denn es sollte ja eher ein lockeres Gespräch werden. Andererseits wurde ich dadurch im Verlauf des Gespräches etwas schwafelig und der rote Faden löste sich im Wein auf. Das der nächste Tag dann auch kein Vergnügen war, versteht sich von selbst. Lecker war der Rotwein trotzdem und bis zu einem gewissen Grad hat er dem Gespräch auch gut getan. Trotzdem: nächstes mal bleibe ich nüchtern.

Abgesehen von meinen Unzulänglichkeiten hat mir das Gespräch großen Spaß gemacht. Ich bin ein neugieriger Mensch und könnte stundenlang fragen stellen. Das hat dann leider auch im Nachhinein dazu geführt, dass der Zusammenschnitt von 4 Stunden mehr als einen Tag gedauert hat. Ich finde nach wie vor die gesamten 4 Stunden interessant und spannend, aber nach Rücksprache mit einigen Freunden war die einheitliche Meinung: Das hört sich keiner an. Wahrscheinlich stimmt das. Trotzdem spiele ich immer noch mit dem Gedanken die vollen 4 Stunden online zu stellen. Wer sich das wünscht kann mir ja bescheid geben, dann lege ich nach.

Insgesamt bin ich zufrieden mit dem Ergebnis. Es war mein erstes Interview und ich habe mich nahezu unwissend und unvorbereitet da reingestürzt. Das war großartig und hat – dank Ronny – auch viel Spaß gemacht. Gerne würde ich weiter machen, aber mir fehlt die Routine und oft auch die Zeit. Außerdem habe ich kein mobiles Aufnahmegerät und die Terminvereinbarung mit manchen Interviewpartnern ist schwierig. Es ist eben nicht mehr so, dass das Netz eine kleine Kuschelgruppe von Bloggern ist, wo jeder jeden mag,  jedem hilft und alles macht. Einige stehen schon sehr im Rampenlicht und genau die würden mich interessieren, aber genau die haben bei einem professionellen Dilettanten wie mir mehr zu verlieren als ich – schließlich leben diese Menschen von ihrer Reputation im Netz. Daher interessiert mich auch das Feedback zu diesem Podcast, der nun als Rot-Cast in die Geschichte eingehen wird. Wein braucht auch Zeit um zu reifen…

Wie es eigentlich geplant war

Nachdem ich das Interview mit Ronny gemacht hatte, wollte ich monatlich ca. 1 weiteren Blogger interviewen. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Ende März 2013 hatte ich mich schon entschieden einen neuen Job zu suchen und das mit einer eigenen Bewerbungswebsite zu machen. Dann hat mich dann dieses Projekt so in Anspruch genommen, dass ich die nächsten Monate kaum zu etwas anderem gekommen bin – geschweige denn aus den 4 Stunden Interview mit Ronny 1 Stunde zusammenzuschneiden. Ich habe den Arbeitsaufwand für einen halbwegs vernünftigen Podcast einfach unterschätzt. So was kann man vielleicht nebenbei machen, wenn man professioneller Hörtfunkjournalist ist und die nötige Routine hat. Wenn man aber, so wie ich, nur eine fixe Idee hat, wird man bei dem Versuch das neben einer Vollzeitstelle in der Freizeit  zu realisieren, schnell eines Besseren belehrt.

Ich plane auf jeden Fall eine Fortsetzung, muss mir dafür aber noch mal einen besseren Plan bauen, die technischen Voraussetzungen schaffen und auch mal das Feedback zu diesem Podcast abwarten. Mir fehlt die nötige Distanz um einzuschätzen, ob das Interview gut und spannend geworden ist, oder ob es nur ein dilettantischer Versuch ist, bei dem es bleiben sollte. Auf jeden Fall ist der Anfang gemacht – besser spät als nie!